Was eine Fassadendämmung kostet – und woraus sich der Preis zusammensetzt
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Der feste Anteil ist hier am größten
Von allen Gewerken an der Gebäudehülle hat die Fassade den größten von der Fläche unabhängigen Kostenanteil. Der Grund ist das Gerüst: Es steht um das ganze Haus, und es steht über die Trocknungszeiten zwischen Armierung und Oberputz weiter, auch wenn niemand darauf arbeitet.
Ein Preis je Quadratmeter fällt bei einem kleinen Haus deshalb zwangsläufig höher aus als bei einem großen. Ein sinnvoller Vergleich fragt nach dem für diese Fassadenfläche und dieses System üblichen Gesamtpreis, nicht nach dem Quadratmeter – ein Quadratmeterpreis ohne die zugehörige Fläche ist keine vergleichbare Angabe.
Die Blöcke im Einzelnen
Bei einem WDVS verteilt sich die Summe grob auf: Gerüst, Vorarbeiten am Untergrund, das Dämmsystem selbst (Platte, Kleber, Dübel), den Putzaufbau mit Armierung und Oberputz, die Anschlussarbeiten an Laibungen und Sockel, die Fensterbänke, das Versetzen der Anbauteile sowie Abbruch und Entsorgung.
Auffällig ist der Anteil der Anschlussarbeiten: Laibungen, Sockel und Fensterbänke zusammen machen an einem Haus mit vielen Fenstern leicht ein Viertel der Summe aus. Ein Angebot, das sie nicht ausweist, ist deshalb entweder unvollständig oder es rechnet sie im Quadratmeterpreis mit – und das ist ein Unterschied von mehreren tausend Euro.
Der Grund dafür ist geometrisch: Diese Arbeiten hängen nicht an der Wandfläche, sondern an der Länge der Kanten. Ein Haus mit vielen kleinen Fenstern hat bei gleicher Fassadenfläche erheblich mehr laufende Meter Laibung als eines mit wenigen großen. Zwei Häuser mit identischen 180 Quadratmetern Fassade können deshalb sehr verschiedene Angebote bekommen, ohne dass eines davon falsch gerechnet wäre.
Die Gerüst-Standzeit ist der unterschätzte Posten
Ein Gerüst wird nicht nach Aufbau abgerechnet, sondern nach Standzeit – üblicherweise eine Grundmiete für einen festgelegten Zeitraum und ein Wochensatz für jede weitere Woche. Genau hier entstehen die meisten Nachträge an der Fassade.
Eine WDVS-Fassade am Einfamilienhaus läuft in aller Regel acht bis zwölf Wochen. Der Grund ist nicht die Arbeitszeit, sondern die Wartezeit: Zwischen Kleben, Dübeln, Armieren und Oberputz liegen Standzeiten des Materials, die sich nicht verkürzen lassen. Der Klebemörtel muss abbinden, bevor gedübelt wird; die Armierungsschicht muss durchtrocknen, bevor der Oberputz darauf kann. Bei kühler oder feuchter Witterung werden diese Zeiten länger, nicht kürzer.
Ein Angebot, das eine Gerüstpauschale über vier Wochen ansetzt, ist deshalb selten günstiger – es verschiebt nur einen Teil der Kosten hinter die Auftragserteilung. Prüfen Sie zwei Zahlen: Für wie viele Wochen gilt die Pauschale, und was kostet jede weitere Woche? Erst beides zusammen macht Angebote vergleichbar.
Und weil das Gerüst ohnehin steht: Alles, was von außen am Haus zu tun ist – Dachrinne, Ortgangbrett, Außenanstrich, ein Dachfenster – ist jetzt deutlich billiger als in einem zweiten Anlauf. Diese Frage lohnt sich, bevor der Gerüstbauer wieder abbaut.
Warum das System die Kostenstruktur ändert, nicht nur den Preis
Die drei Dämmsysteme unterscheiden sich nicht nur in der Höhe der Summe, sondern darin, woraus sie besteht.
Beim Wärmedämmverbundsystem und bei der hinterlüfteten Vorhangfassade dominieren Gerüst, Anschlussarbeiten und Oberfläche. Die Dämmplatte selbst ist der kleinere Teil – deshalb ändert eine höhere Dämmstärke die Endsumme weniger, als die meisten erwarten. Von 140 auf 180 Millimeter zu gehen, kostet Material und minimal mehr Arbeit an den Laibungen, aber kein zweites Gerüst.
Die Kerndämmung der Hohlschicht steht in einer eigenen Kategorie: kein Gerüst, keine Laibungen, keine Fensterbänke, keine Anbauteile, keine neue Oberfläche. Übrig bleiben Bohrungen, Material und Verschluss. Das ist der Grund, warum sie bei einem zweischaligen Mauerwerk fast immer zuerst zu prüfen ist – nicht weil sie am besten dämmt, sondern weil ihr Verhältnis von Aufwand zu Wirkung von keinem anderen System erreicht wird.
Für den Angebotsvergleich heißt das: Angebote über verschiedene Systeme lassen sich nicht über den Quadratmeterpreis vergleichen. Sie beschreiben verschieden große Baustellen.
Was regelmäßig unterschätzt wird
Die Posten, die nach der Beauftragung als Nachtrag wiederkommen:
- Weitere Wochen Gerüst-Standzeit über die Pauschale hinaus, häufig witterungsbedingt
- Der tatsächliche Umfang der Untergrundvorbereitung, der sich erst am Gerüst zeigt
- Ein Asbestbefund in einer alten Faserzement-Bekleidung
- Die Verlängerung des Dachüberstands an Traufe und Ortgang – Dachdeckerarbeit, die in einem Fassadenangebot nicht steht
- Rollladenkästen, wenn sie mit gedämmt oder ersetzt werden sollen
- Kellerabgänge, Lichtschächte und Terrassenanschlüsse im Sockelbereich
- Neue Außensteckdosen und Leuchten, weil die alten Leitungen zu kurz werden
Warum ein günstiges Angebot teurer sein kann
Zwei Angebote mit ähnlicher Endsumme sind nicht gleichwertig, wenn das eine Laibungen, Sockel, Fensterbänke und Untergrundvorbereitung enthält und das andere keine davon. Auf dem Papier steht dann derselbe Betrag; im Ergebnis beschreibt das zweite einen um ein Drittel kleineren Auftrag.
Der zuverlässigste Weg, das zu erkennen, ist eine Differenzliste: Gehen Sie die Positionen Zeile für Zeile durch und vermerken Sie für jedes Angebot, ob die Leistung enthalten, ausgeschlossen oder unklar ist. Anschließend rechnen Sie die fehlenden mit realistischen Beträgen hoch.
Was die Förderung ändert
Die Grundförderung für die Fassadendämmung beträgt 15 Prozent der förderfähigen Kosten, mit einem individuellen Sanierungsfahrplan kommen bis zu 5 Prozentpunkte hinzu. Die Grenze liegt bei 30.000 Euro je Wohneinheit und Kalenderjahr, mit Sanierungsfahrplan bei 60.000 Euro.
Diese Grenze gilt für alle Hüllmaßnahmen eines Kalenderjahres zusammen – Fassade, Dach und Fenster teilen sich eine, nicht drei. Wer mehreres plant, sollte die Reihenfolge über zwei Kalenderjahre durchrechnen.
Gerüst, Abbruch, Entsorgung, Laibungen, Sockelanschluss, neue Fensterbänke und das Versetzen der Anbauteile gelten als Umfeldmaßnahmen und sind mit förderfähig. Ein neuer Balkon, ein Wintergarten oder eine Photovoltaikanlage an derselben Fassade sind es nicht und gehören getrennt ausgewiesen.
Prüfen Sie, ob überhaupt die ganze Fassade gemeint ist
Bevor Sie zwei Summen vergleichen, vergleichen Sie die Flächen. An der Fassade ist der Teilausbau häufiger als bei anderen Bauteilen: nur die Wetterseite, nur der Giebel, alles außer der Straßenfassade. Für die Ausführung kann das die richtige Entscheidung sein – für den Preisvergleich ist es die größte Fehlerquelle überhaupt.
Ein grober Anhaltspunkt: Bei einer vollständigen Fassadendämmung liegt die Wandfläche nach Abzug der Fenster meist ungefähr in der Größenordnung der Wohnfläche, bei einem schmalen zweigeschossigen Haus darüber. Steht in einem Angebot deutlich weniger, beschreibt es vermutlich eine Teilfläche – und eine niedrigere Endsumme heißt dann nicht, dass es günstiger ist.
Zwei Dinge sollten Sie in diesem Fall klären. Erstens, warum die Teilfläche gewählt wurde: Gibt es einen bauphysikalischen Grund, oder ist es eine Budgetentscheidung? Zweitens, was am Übergang passiert – dort, wo gedämmt an ungedämmt stößt, entsteht eine neue Wärmebrücke, die es vorher nicht gab, und förderrechtlich bezieht sich die Mindestanforderung ohnehin auf das ganze Bauteil.
Der teuerste Zeitpunkt, sich gegen Dämmung zu entscheiden
Wenn die Fassade ohnehin eingerüstet, vorbereitet und neu verputzt wird, kostet die Dämmung nur den Aufpreis: die Platten, den Kleber, die Dübel und die zusätzliche Arbeit an Laibungen, Sockel und Fensterbänken. Gerüst, Untergrundvorbereitung und Putzaufbau fallen so oder so an.
Wer stattdessen nur streicht oder neu verputzt, zahlt diese Blöcke in zehn oder zwanzig Jahren ein zweites Mal – und bekommt für die reine Instandsetzung keinen Zuschuss, weil gefördert wird, was den Wärmeschutz verbessert.
Das ist kein Argument dafür, immer zu dämmen. Es ist ein Argument dafür, die Frage genau in diesem Moment zu stellen und sich den Aufpreis ausrechnen zu lassen – als eigene Zahl, nicht als zweites Gesamtangebot. Die Entscheidung fällt nämlich nicht zwischen „Fassade dämmen" und „nichts tun", sondern zwischen zwei Varianten derselben Baustelle.
Häufige Fragen
- Was kostet die Dämmung einer Fassade insgesamt?
- Für 150 Quadratmeter Fassadenfläche mit Wärmedämmverbundsystem sind rund 3.500 Euro flächenunabhängig plus etwa 185 Euro je m² eine brauchbare Orientierung – zusammen also rund 31.300 Euro netto. Als hinterlüftete Vorhangfassade liegt dieselbe Fläche bei rund 52.500 Euro, als Kerndämmung der Hohlschicht bei rund 6.900 Euro.
- Warum ist der feste Anteil an der Fassade so hoch?
- Wegen des Gerüsts. Es steht um das ganze Haus, unabhängig davon, wie viel Fläche gedämmt wird, und es bleibt über die Trocknungszeiten zwischen Armierung und Oberputz stehen, auch wenn niemand darauf arbeitet. Von allen Gewerken wiegt der flächenunabhängige Anteil hier am schwersten.
- Woher stammen diese Preisspannen?
- Aus veröffentlichten Preisspannen, nicht aus eigenen Angeboten – im Fassadenbereich liegt uns bislang kein einziges echtes Angebot vor. Report, PDF und Mail weisen diesen Vorbehalt sichtbar aus. Die Werte sind eine Startspanne, damit die Einordnung überhaupt eine Messlatte hat.
- Lohnt sich Dämmen, wenn die Fassade ohnehin gestrichen werden muss?
- Das ist der Moment, in dem die Rechnung am günstigsten aussieht. Gerüst, Untergrundvorbereitung und Oberputz fallen ohnehin an; die Dämmung kostet dann nur den Aufpreis für Platten, Kleber, Dübel und die zusätzliche Arbeit an Laibungen und Sockel. Lassen Sie sich diesen Aufpreis als eigene Zahl ausweisen.
- Bekomme ich Förderung für einen reinen Neuanstrich?
- Nein. Reine Putz-, Anstrich- oder Reinigungsarbeiten ohne Dämmung sind keine Einzelmaßnahme an der Gebäudehülle und damit nicht förderfähig. Sie werden nur dann mit gefördert, wenn sie als Umfeldmaßnahme zu einer geförderten Dämmung gehören.
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